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Gedankenanstoß - Sonntag Rogate 5. Sonntag nach Ostern - 17. Mai 2020 - 21. Kalenderwoche

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Psalm 66,20

Beten ist eine schwierige Übung. Worte in einen offenen Raum hineinsprechen. In eine Weite, die ich nicht ermessen kann. Nur auf Hoffnung hin. Worte geborgen im großen Versprechen, dass da eine Antwort auf mich wartet.

Das erste Wort, das Kinder lernen, ist in der Regel „Mama“ oder auch „Papa“. Danach vielleicht der eigene Name, „Ich“ kommt erst viel später, nach „Trinken“, „Essen“, „Nein“ oder „Ja“. „Mama“, „Papa“ – das erste Wort ist eines, das auf ein Gegenüber verweist – auf ein „Du“. Auf die Beziehung zu einem „Du“ hin wachsen wir ins Leben hinein. Martin Buber schreibt: „Es ist eben nicht so, dass das Kind erst einen Gegenstand wahrnähme, dann etwa sich dazu in Beziehung setzte; sondern das Beziehungsstreben ist das Erste, die aufgewölbte Hand, in die sich das Gegenüber schmiegt.“ (Martin Buber, Das dialogische Prinzip, Gerlingen 1994, S. 31) Es ist das Streben nach Beziehungen, das uns ausmacht von Anfang an.

Darum ist das wichtigste Wort im Leben vielleicht „und“. In diesem Wort ist das Beziehungsstreben des Menschen aufgehoben. Nicht nur einer allein, sondern zwei verbunden in einem „und“. Mit Gott verbunden sein durch ein „und“, durch das Streben nach Beziehung, das ist Gebet. Im Vertrauen und Lob genauso wie in der Klage und der Trauer. Beten, das meint, trotzig darauf zu hoffen, dass es eine Antwort gibt. Sich darauf zu verlassen, dass da ein „und“ ist, in dem die Antwort schon verborgen liegt, in meiner Beziehung zu Gott, in Gottes Beziehung zu mir. Worte wie die von Psalm 66: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“

 

 

Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht Ihnen Pfarrer Achim Gerber