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Hoffnung hamstern: Auslegung des aktuellen Wochenspruchs - Judika 29.3.

Auch wenn wir aufgrund des Coronavirus keine Gottesdienste feiern dürfen, sind wir in Andacht und Gebet vereint. Für jede Woche stellen wir als Kirchengemeinde eine kurze Auslegung des aktuellen Wochenspruches in der Christuskirche für die persönliche Meditation zur Verfügung.

29. März 2020 - Sonntag Judika - 14. Kalenderwoche

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

Matthäus 20,28

 

Das haben wir in 1974 in der Schule gelernt: Die Mädchen mussten einen Knicks machen. Wir Jungs mussten einen Diener machen. „Mach mal schön deinen Diener!“

Kinder waren wir. Wir zeigten mit dieser Geste unsere Ehrfurcht vor den Erwachsenen. So machte man das, damals. Kleine Leute hatten anzuzeigen, dass sie ihre Unterwürfigkeit vor den Großen durchhalten. Das war der Sinn des Dieners, des Knicks. Zeichen des Sich-klein-Machens und der Wertschätzung.

In meiner Kindheit gab es aber auch andere Diener. Steife, zurückhaltende, ernste Herren in Frack mit Handschuhen. Natürlich nur im Fernsehen. Menschen, die angeblich dienten, jedoch über ihren Herren standen. „Einer wird gewinnen“ mit Martin Jente als Butler. „Herr Martin“ brachte dem Showmaster Mantel, Schal und einen meist strafenden Spruch. Er hatte das Sagen und das letzte Wort.

Richtige, waschechte Diener im richtigen Leben sind mir nie begegnet.

Menschen, die mir in der richtigen Minute beistanden, im richtigen Moment da waren, die gab es wohl. Sie als Diener zu bezeichnen ist mir fremd. Eher als Helfer, als Retter. Solche Menschen kenne ich. Solche Menschen erleben wir in der Corona-Krise. Jeder und jede auf so unterschiedliche Weise! Gott sei Dank!

Jesus als Menschensohn, als der Retter der Menschen … ist er ein Diener? Ist Jesus derjenige, der sich kleinmacht, um anderen Ehrfurcht zu zeigen? Geht er durch den Staub, um den Menschen, um mir zu dienen?

Das kann man in der Bibel so finden: Ja – er macht sich klein. Er verzichtet auf einen Platz in der ersten Reihe und auf Statussymbole. Bis in den Tod geht er. Nur ein Statussymbol gibt es: das Kreuz. In diesem Zeichen dient Jesus. Hier macht er sich klein in unvergleichlicher Weise. Er dient durch den Staub, durch den Tod, durch den Schmerz hin zu einem anderen Leben. Befreit, souverän tritt er ins Licht. Ein merkwürdiger Diener. Ganz anders als alle, die ich kenne. Nicht kindlich, nicht gespielt, nicht im Frack – er gibt den Menschen die Würde zurück, die sie durch ihr Tun verlieren. Er gibt uns Freiheit von uns selbst. Das ist sein Dienst.

 

Ein gesegnetes Woche wünscht Ihnen Pfarrer Achim Gerber

 

 

22.02.2020  -  Lätare - 13. Kalenderwoche

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Johannes 12,24

 

Bilder können uns helfen, wenn wir Dinge erleben, die uns erschüttern, uns zittern lassen, uns den Boden unter den Füßen wegziehen. Solches erleben wir gerade in den Tagen der Corana-Kriste und dann auch besonders, wenn Menschen sterben, die wir lieben und die uns geliebt haben.

Bilder können uns dann eine andere Perspektive eröffnen.

Beim Sterben sprechen wir davon, dass jemand heimgegangen ist. Damit drücken wir aus, was wir glauben und hoffen: Es gibt eine himmlische Heimat; dort ist jetzt alles überstanden, was hier so schwer war. Und wir verbinden mit diesem Bild, dass unsere Toten in dieser himmlischen Heimat bei Gott geborgen und geliebt sind.

So geht es auch hier um ein Bild, das eine neue Perspektive eröffnet. Jesus selbst entdeckt einen faszinierenden Vorgang in der Natur als Bild, das sein Sterben in einen anderen Zusammenhang bringt. Aus einem vergehenden Weizenkorn entsteht in der Keimung die neue Pflanze. Diese wächst dann heran und kann vielfache Frucht hervorbringen. Da geht es nicht um Abschiednehmen und Heimat. Jesus muss nicht getröstet werden. Stattdessen tröstet er seine Leute, die geschockt sind von dem angekündigten Sterben, das sie nicht begreifen können. Er sagt in diesem Bild: Nur durch mein Sterben hindurch entsteht Neues. In meinem Sterben ist schon der Anfang verborgen. Damit beginnt, was heranwächst: vielfache Frucht. Und Frucht hat ja keinen Selbstzweck. Sie dient dem Leben.

Wer sich auf diese neue Perspektive einlässt, mag staunen: Was ist alles aus diesem entsetzlichen Schicksal geworden: Unendlich viele Menschen haben sich von seinem Leiden und Sterben berühren und ergreifen lassen. Sie haben ihn als den von Gott auferweckten, geheimnisvoll Nahen entdeckt. Sie öffnen ihm ihr Innerstes, weil er sie versteht und sie von ihren Verfehlungen befreit. Er hat ihr Leben geprägt und verwandelt sie und das Angesicht dieser Erde. Sie entdecken seine Hirtentragkraft in den Krisen, den kleinen persönlichen und in den großen. Wieviele Früchte da entstanden ist: Glaube, Liebe, Hoffnung!

 

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen Pfarrer Achim Gerber